Ein Zukunftsszenario auf Basis der Erkenntnisse über NSA/GCHQ und den verstrickten Unternehmen

In den letzten Wochen und Monaten haben wir in Europa aber auch im Rest der Welt gelernt, dass wir von den US-Geheimdiensten auf allen Ebenen, systematisch ausspioniert und unsere elektronischen Fussspuren gespeichert und analysiert werden. Und zwar in einem ungeahnten Ausmass, ohne Verdachtsmoment oder legitimierten Verfahren. Es werden einfach möglichst viele Daten von Millionen Menschen rund um den Globus erfasst um dann bei einer Analyse auswerten zu können, was man auch immer auswerten möchte.

Die Dimension der erfassten Daten und der bespitzelten Menschen sprengt jede da gewesene Vorstellung. Sicher, Spionage hat es immer gegeben. Aber meist war sie für ein Projekt, einen Einzelfall oder eindimensionale Betrachtung ausgelegt. Dabei wurden Menschen auch immer gezielt untersucht, es war technisch auch nicht anders möglich. Das hat sich heute durch das Internet, Handys, GPS/Galileo, elektronischem Zahlungsverkehr, elektronischer Forschung, elektronischer Buchung (z.B. Flüge, Leihwagen, etc.) dramatisch geändert. Für Geheimdienste sind Firewalls und Verschlüsselungen im herkömmlichen Stil, keine Barriere. Eine tieferer Erklärung hierzu spare ich mir, die Ursachen dafür liegen aber in der Politik und ihrem schwachen Verständnis für technische Entwicklungen.

Auf der einen Seite stehen da die grössten Aktivisten aus den USA und UK mit der NSA und dem GCHQ. Sicherlich gibt es von anderen Ländern ähnliche Einrichtungen und Organisationen, welche in einem nicht unerheblichen Masse zur Erfassung der massenhaften Daten über Privatpersonen und Unternehmen beitragen. Wie es jetzt erscheint, sind aber NSA und GCHQ mit Abstand am besten ausgerüstet und erfassen mit Abstand die meisten Daten. Besonders in Europa und Nah-Ost, aber auch in Süd-Amerika, Afrika und Asien.

Durch Kooperationen untereinander und zusätzlicher Erfassung anderer Daten auf  „quasi“ legalem Weg, man denke nur an die SEPA-Daten (Überweisungsdaten) aus Europa, die über US-Server laufen und von US-Behörden analysiert werden dürfen. Oder an die IATA-Daten bei denen alle Flüge und teils Hotel-Buchungen registriert werden. So wird, vor allem für die USA aber auch England, eine lückenlose Datenerfassung aus allen Lebensbereichen über Europa möglich.

Ein weiterer Baustein bilden alle privaten Wirtschaftsunternehmen, welche vor allem in den USA gegründet wurden und heute in ihren Märkten zumindest die westlich orientierten Länder dominieren. Dazu zählen Google, Amazon, eBay, PayPal, Apple, Microsoft, Oracle und viele mehr. Alle haben eines gemeinsam. Sie erfassen in unvorstellbarem Masse Daten von ihren Kunden oder Benutzern. Was kaufen sie ein, was schauen sie sich an, welche Bücher lesen sie, welche Webseiten besuchen sie und noch viel mehr. Selbst Unternehmen wie SAP benutzen Oracle-Datenbanken als Datenspeicher für ihre Software. Es ist leicht vorstellbar, dass damit entsprechende Kräfte an alle Daten der Unternehmen gelangen können die diese Software einsetzen. Es ist bewiesen, dass alle Softwarehersteller mit Sitz oder Beziehung zu den USA von den Geheimdiensten, mehr oder minder sogar über legale Wege, gezwungen werden Hintertüren bereit zu stellen und diese den Geheimdiensten bekannt zu machen.

Wenn man sich weiter vorstellt, dass z.B. LKWs auf Europäischen Strassen über elektronische Systeme (Maut) erfasst werden und man somit feststellen kann, wohin eine Ware wann transportiert wird, wird einem das Ausmass immer deutlicher. Eine Maut für PKWs wäre die Abrundung des Programms. Zugverkehr und Speditionen, jede Logistik wird heute elektronisch erfasst und gespeichert. Da ist es leicht einen Waffentransport von A nach B zu erfassen. In der Kombination von Handy/GPS Daten und Zugticket kann sogar auf den Mensch genau erfasst werden, wo wann wer war. Auf den Meter genau.

Alle Börsentransaktionen werden heute elektronisch erfasst. Für Geheimdienste ist es sicher leicht Menschen oder Organisationen bestimmten Transaktionen zuzuordnen. Somit kann der Geheimdienst schon vorher wissen, ob eine Aktie im Wert wohl steigen oder fallen wird. Natürlich gilt dieses auch für grosse Devisengeschäfte. Wer die Information früher hat, kann die Dinge auch beeinflussen.

Auf all diese Daten hat die NSA und GCHQ zugriff, speichert sie in riesigen Servern und analysiert nach belieben. Das Ausmass der Datenmenge, Qualität und ihrem Informationsgehalt ist dabei unvorstellbar. Die Kombinationsmöglichkeiten der Daten zur Analyse sind damit schier unendlich. Und das Ganze wird systematisch weiter ausgebaut. Weitere Datenerfassung wird den Menschen mit Bequemlichkeit verkauft. Fingerabdruck-Scanner auf Handys, Computern, Zugangstüren oder Iris-Scanner in Sicherheitssystemen machen uns das Leben leichter, aber sie liefern auch immer genauere, personenbezogene Daten an die Behörden.

Auswertung der Daten, Kombination und Gegenmassnahmen

Bisher wurden die Daten von den verschiedenen Systemen abgerufen, auf eigenen Servern gespeichert und ausgewertet. Dabei wurde in unbrauchbare und brauchbare Daten getrennt und entsprechend gelöscht oder archiviert. Zur Zeit werden in allen Ländern massive Kapazitäten zur Speicherung und Auswertung der Daten ausgebaut. Damit man in Zukunft in Echtzeit alles analysieren kann. In Utah/USA oder sogar in Wiesbaden/Deutschland entstehen riesige Rechenzentren der NSA. Die britische Regierung hat ein riesiges Investitionsprogramm in den Ausbau der Systeme rund um GCHQ angekündigt.

Politiker argumentieren damit, dass es zur Verteidigung gehört einem Cyber-War etwas entgegen setzen zu können. Die Datenerfassung ist ein Teil der Cyber-Streitkräfte die man aufbaue. Zu Wasser, zu Lande, zu Luft und im Weltall wäre man gut gerüstet, aber im Internet und der Elektronik noch nicht. Diese gilt es besser auszubauen als der Gegner es kann. Ein Wettrüsten hat eingesetzt.

Bisher werden die Systeme und Daten nur zur Erfassung und Auswertung genutzt. Aber die aktiven Massnahmen haben bereits auch begonnen. So kann man Drohnen über das Internet über tausende von Kilometer steuern und einen mutmasslichen Gegner eliminieren, den man per GPS-Handy und Satelliten-Ortung ausgemacht hat. Die USA geben diese Form der Kriegsführung ja bereits zu und rühmen sich so z.B. Bin Laden gefunden zu haben. China – Russland und die USA werfen sich gegenseitig Hacker-Attacken auf ihre Server vor. Länder wie Iran und Nord-Korea werden vom Internet abgehängt, gleichzeitig wird behauptet sie zensieren das Internet. Keiner kann sagen was stimmt. Wer sagt uns nicht, dass bereits jetzt Aktienkurse oder Währungen auf diese Art beeinflusst werden? Dumme automatisierte Stop/Loss-Order sind bereits jetzt Standard. Was wäre, wenn diese in Kombination mit Erkenntnissen aus dem Internet, Verhalten von Politikern oder Bürgern oder Konkurrenten passieren würde? Automatisierte Aufkäufe oder Verkäufe aufgrund von Auswertungen verschiedenster Daten von bestimmten Personenkreisen? Im Kleinen passieren diese Dinge auch. Webseiten, wie diese hier, werden von Google/Bing, sagen wir mal „stiefmütterlich“ behandelt und erscheinen nicht in der Suche. Gegenlinks werden nicht gezählt und somit wird sie als unwichtig eingestuft. Die Macht eines weltweiten Unternehmens, das kein Interesse daran hat sich auf die Seite der Verbesserung zu stellen. Ein psychologischer Ansatz sagt, dass eine Verneinung vom Gehirn unterbewusst nicht als solche wahrgenommen wird. Der Leitspruch von Google lautet „Don’t be evil“. Im Unterbewusstsein wird daraus „be evil“. Nomen est omen?

Die massive Erfassung der Daten ist das kleinste Problem. Die Kombination der Daten miteinander ist die grösste Gefahr. Durch die Kombination der Daten bekommt man Dinge über Menschen, Organisationen, Parteien, Unternehmen oder Behörden heraus, die oft so brisant sind, dass sie für Erpressung verwendet werden können. Auch wen viele Menschen sagen – „ich habe nichts zu verbergen“. Dann können auch und gerade diese irgendwann in das Raster der bestimmenden Gruppen passen. Jemand ist Krebskrank und möchte nicht, dass sein Arbeitgeber das erfährt. Sein Nachbar ist die Zielperson. Es wäre nun leicht den einen zu erpressen den anderen auszuspionieren. Ein aktueller Fall. Der Bischof von Limburg. Was würden sie machen, wenn sie alle seine Telefonate der letzten Monate gespeichert hätten? Der Bildzeitung verkaufen? Ihn erpressen? Die Daten einer gemeinnützigen Organisation oder dem Papst zukommen lassen? Sie merken, wie tief man in eine Gedankenwelt mit vielen Möglichkeiten gerät. Und genau so geht es den Verantwortlichen bei Geheimdiensten oder deren Vorgesetzten und bestimmenden Politikern. Das liegt ausserhalb der Kontrolle einer demokratischen Gesellschaft, es ist unmöglich das zu kontrollieren.

Nach dem Zeitalter „Information“ kommt das Zeitalter „Manipulation“

All das oben Geschriebene ist heute und bereits seit Jahren Fakt. Es gab dafür bisher kaum echte Beweise. Das hat sich aber durch die Veröffentlichung Snowdens dramatisch geändert. Wir leben im Zeitalter der Information, welches das Industriezeitalter und davor das Agrarzeitalter verdrängt hat. Das nächste Zeitalter wird das der Manipulation sein. Denn wenn man alle Daten hat, dann liegt es in der Natur des Menschen das man sie für sich bestens nutzt. Das Effizienteste was man mit Daten machen kann, ist damit Manipulation auf allen Ebenen zu betreiben. Sie kennen ja alle den Spruch „Traue nie einer Statistik, wenn sie nicht von ihnen selbst gefälscht wurde“. Genau das wird durch die Big-Data möglich und zwar auf allen Ebenen. Die monetären Chancen daraus sind so riesig, dass sie alle anderen Chancen auf der Welt ausstechen. Selbst Drogen. Wer heute die meisten Informationen besitzt, beherrscht die Welt, denn er beherrscht alle wichtigen Dinge. Nachrichten, Ölpreise, politische Entscheidungen, öffentliche Meinungen, Wahlen, Aktienkurse, Devisenkurse, Absprachen und Verträge. Und egal wie und ob wir uns dagegen wehren werden, es wird so kommen. Denn, das was der Mensch kann, das macht er auch.

Das Mobbing unter jungen Menschen ist dafür ein gutes Beispiel. Wegen lächerlicher Dinge geraten Kinder und Jugendliche heute in das Visier ihrer Kollegen und vermeintlichen Freunde und werden erpresst. Ein Bild mit strubbeligen Haaren kann auf Facebook schon zur Ablehnung in einer sozialen Gruppe führen. In manchen Schulen ist schon das Treffen mit anderen, ungeliebten Mitschülern eine Tat wert. Von Schlägen über Schutzgeld-Erpressung bis zur Ausgrenzung, alles wird praktiziert. Die Folgen dieser oft spiessigen und kleinkarierten Sichtweise und Ausnutzung werden wir so richtig dann zu spüren bekommen wenn diese Menschen erwachsen geworden sind. Ich sage Psychologen beste Auftragslagen und den Krankenkassen dramatische Kosten voraus. Basis dafür ist alleine die Information die der Eine hat und zu seinem Nutzen verwendet.

Manipulation setzt als Grundbedingung Information voraus. Wie man sie dann verwendet, bleibt der Situation überlassen. Erpressung wird bei Einzelpersonen das Mass aller Dinge werden. Menschen haben Fehler und wenn jemand diese kennt, kann er damit den Versuch unternehmen den anderen zu beeinflussen. Aber auch die Massenbeeinflussung ist ein Weg der Möglichkeit. Google und Co. benutzen diese Technik um Werbung für ihre Kunden effizient zu schalten. Dagegen spricht nichts. Wenn aber das gleiche System für andere Zwecke verwendet wird, kann es eben auch leicht für Massenmanipulation eingesetzt werden. Webseiten die z.B. nicht gefunden werden sollen, weil sie zu konträre Darstellung enthalten, werden gar nicht in den Suchergebnissen aufgeführt. Schon heute bestimmt die prüde Gedankenwelt der US-Bürger was in Google in Sachen Sex auch in Europa gefunden wird. Da Googles Suchmaschine „quasi“ ein Monopol ist, ist es eine ganz klare Manipulation der Gesellschaft aus US-Sicht.

Es ist erweisen das Geheimdienste zusammen mit Suchmaschinen daran arbeiten bestimmte Webseiten nicht auffindbar oder nicht aufrufbar zu machen. Meist geht es dabei um vermeintlich extreme Webseiten zu Politik, Religion oder Gewalt. Die Basis für diese Entscheidung ist Information, welche sie von wem bekommen haben? So arbeiten Europäische Geheimdienste mit der NSA oder GCHQ zusammen um an solche Informationen zu kommen. Wer sagt uns nicht, dass die NSA oder der GCHQ die Informationen manipuliert haben um bestimmte Gruppen zu diskreditieren? Ich bin sehr gespannt was im NSU – Prozess noch alles an das Tageslicht kommt. Heute haben wir noch eine Chance die Dinge nach und nach mit alten Methoden aufzudecken. In Zukunft wird die Manipulation auf allen Ebenen so stark ausgebaut sein, dass Fehlurteile an der Tagesordnung sind.

Gelöschter Artikel des Guardian

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