Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Warum fällt der Bitcoin so?

Letzte Woche konnte der Kurs von 10’000 USD in Bitcoin nicht gehalten werden, seit dem ist er im freien Fall. Heute ist er schon unter 6’000 USD. Warum ist das so? Ich versuche das anhand einiger Beispiele zu begründen.

Massiver Gegenwind durch die Politik

In den letzten Monaten haben diverse Staaten bzw. deren Politiker Massnahmen gegen Kryptowährungen eingeleitet, die als solche, schon massive Rückgänge erzeugen.

So hat China den Handel, das Mining und indirekt den Besitz von Kryptowährungen praktisch verboten. Viele Chinesen nutzten die Währung um Kosten bei Überweisungen im internationalen Handel zu sparen. Der Staat konnte aber die Geldströme nicht mehr kontrollieren, was in einem totalitären Staat nicht sein darf. Da bereits viele Chinesen Gelder in Bitcoin investiert haben, versuchen sie nun das Beste daraus zu machen und sie wieder umzutauschen. Das führt zu massiven Verlusten in dem Kurs.

Auch Süd-Korea hat ähnliche Massnahmen ergriffen. Auch hier spielt das Obrigkeitsdenken eine massive Rolle. Wer Süd-Korea ein bisschen kennt, weiss das es zwar zum westlichen Politikspektrum gehört, aber die Gesellschaft sehr streng hierarchisch und wenig frei ist. Da darf es so etwas liberales wie Bitcoin nicht geben. Nur die Obrigkeit darf Kohle machen. Auch viele Süd-Koreaner haben Verwandte in internationalen Ländern und tauschen mit ihnen Gelder aus. Das ist nun über Bitcoin vorbei.

Ähnlich ist es mit Indien. Indien ist zwar eine Demokratie, hat aber sehr strenge Regeln, gesellschaftlich wie rechtlich. 1.5 Milliarden Menschen mit dem Drang nach oben lassen sich halt nur mit harten Massnahmen unter Kontrolle halten. Deshalb hat Indien ebenfalls Massnahmen gegen die Nutzung von Kryptowährungen beschlossen und durchgesetzt.

Alleine diese drei Staaten bzw. deren Bürger hielten oder halten einen Grossteil an Bictoin und Co. Nun sind sie gezwungen die Währung zu verkaufen. Bis vor ein paar Wochen hofften noch alle, dass es einen Ausweg gäbe. Leider sind die Politiker hart und haben auf ihre Einschränkungen gepocht. Es ist fast ein Witz der Zeitgeschichte, denn gerade diese Länder hätten von Kryptowährungen besonders wirtschaftlich profitieren können. Aber der Politik ist die Kontrolle ihres Volkes wichtiger, als ihr Wohlstand.

Man braucht nicht weiter erklären, warum dann alle Beteiligten im Westen ihre Anteile auch verkaufen wollen. Jeder will noch den Gewinn mitnehmen den er in den letzten Monaten erreicht hat. Es ist eine Verkaufshysterie in Gang gekommen, dank den Politikern in den Ländern China, Süd-Korea und Indien.

Quellen: Südkorea und China wollen Bitcoin einschränken

Stop-Los-Order töten den Bitcoin

Stop-Los-Order sind der Tod aller Investments – wenn sie zu viel vorkommen. Viele Anleger benutzen heute Software zum Kaufen und Verkaufen von Anlagewerten. Dabei geben sie meist nur einen Zielkurs und Ober und Untergrenzen an. Die Software macht den Rest. Überschreitet der Kurs eine bestimmte Marke, wird Gewinn mitgenommen und verkauft. Unterschreitet der Kurs eine bestimmte Marke, wird das Risiko minimiert und verkauft. Gleiches geschieht mit dem Kaufen. Unterschreitet der Kurs eine bestimmte Marke, wird gekauft. Damit kann man einen ständigen Strom an Einnahmen generieren. Machen das zu viele, wird die Anlage zerstört.

Und so entstehen geradezu Wellen von Kaufen und Verkaufen in dem viele sehr viel Geld machen und Kursgewinne sofort mitnehmen. Bei Aktien und anderen Anlageformen ist das nur ein Teil der Anleger der so verfährt. Weil es grosse Anleger gibt die andere Strategien als „schnellen Profit“ im Sinn haben, werden dort die Stop-Los-Order ausgeglichen und eine gute Anlage behauptet sich dagegen. Das heisst der Kurs verkraftet das und bleibt stabil.

Bictoin und Co. sind junge Anlageformen, auf die grosse, seriöse Anleger noch nicht aufgesprungen sind. Durch den Hype der um sie entstanden ist, haben sie aber viele „Glücksritter“ – also Stop-Los-Junkies angezogen. Das kann man an den täglichen Verläufen der Kurse erkennen. Die Käufe und Verkäufe sind zum grössten Teil automatisierte Vorgänge. Da jeder Gewinn mitnehmen will, ist der Rückgang des Kurses vorprogrammiert. Die Wellenlinie nach unten kann man ganz klar beobachten. Das wird so lange so weiter gehen, bis ein Punkt erreicht ist an dem die Junkies das Interesse verlieren, weil die Gewinne zu klein erscheinen.

Quelle: How to Use Stop Losses in Bitcoin Investing

Wirtschafts- und Kursentwicklung in den USA

Bis vor einem halben Jahr, waren die klassischen Anlagefelder – sprich Wirtschaftsunternehmen in Europa und den USA nicht mehr sehr interessant. EU-Aktien gingen noch, US-Aktien wurden eher gemieden. Der Zuwachs bei Kryptowährungen dagegen war im Vergleich auch zu Zinsen und anderen Anlageformen (Anleihen) sensationell. Also, hat man sozusagen in Zeiten schlechter Anlagemöglichkeiten mal ausprobiert was in Kryptowährungen so geht. Da kam der Hype darum sehr gelegen. Viele haben deshalb in sie investiert.

Als sich aber abzeichnete, dass die Wirtschaft und die Kurse in den USA wieder anziehen, hat man schnell umgesattelt. Viele Anleger gehen schnell aus Kryptowährungen raus und investieren wieder in US-Papieren. Warum? Weil das Risiko niedriger ist und die langfristigen Kursgewinne grösser. Kryptowährungen sind immer noch sehr volatil im Vergleich zu Aktien. Man kann über Trump sagen was man will, er hat in den USA durch verschiedene Massnahmen ein Bullen – Klima geschaffen. Die Investoren investieren wieder, es werden Firmen gegründet oder ausgebaut, Arbeitsplätze geschaffen und eingestellt. Die Wirtschaft in den USA beginnt zu boomen. Und das wird noch lange so weiter gehen, es sei denn jemand sorgt dafür, dass Trump nicht mehr da ist. Was unwahrscheinlich ist. Seine Amtszeit läuft noch drei Jahre, genug Zeit um die Wirtschaft richtig weit zu bringen. Danach wird er noch einmal gewählt, weil die Menschen diese Hausse fortsetzen möchten.

Die Gelder dafür werden nicht nur aus Kryptowährungen abgezogen, sondern auch aus EU-Aktien und Anlagen. Das kann man derzeit gut an den Europäischen Börsen sehen. Die EU hat kein Gegenmittel zur Steuerreform in den USA parat. Deutschland schafft es ja nicht mal eine Regierung zu bilden. Kein Wunder das Anleger aus aller Welt ihr Geld aus Europa abziehen und in den USA anlegen. Das trifft halt auch Kryptowährungen hart.

Derzeit gibt es zwar an den US-Börsen auch eine Bereinigung bzw. Korrektur, dass kann aber nur technische Gründe haben. Auch unter den grossen Anlegern gibt es Strategien zur Risikominimierung. Nach den schlechten Wirtschaftsnachrichten der letzten Jahre sind halt viele Misstrauisch geworden und nehmen Gewinne eher schnell mit als dass sie grössere Kursgewinne abwarten. Substantiell ist das US-System aber auf Bullen eingestellt. Also stark steigend.

Quelle: USA: Anleger setzen Großteil ihres Geldes auf Aktien

Aussichten

Der Kurs des Bitcoin wird aus meiner Sicht noch bis unter 1’000 US-Dollar fallen bis alle „Glücksritter“ aus ihm verschwunden und die Massnahmen der asiatischen Länder verpufft sind. Danach wird er sich abhängig von der Wirtschaftslage in den USA wieder langsam nach oben bewegen. Vielleicht wird durch einen dann stabileren Kursverlauf die Währung endlich als Zahlungsmittel mehr tauglicher und anerkannt, als es durch den Spekulationshype möglich war. Langfristig sehe ich nach wie vor grosses Potentiale als Zahlungsmittel mit Berechtigung und nicht als Spekulationsobjekt in ihm.

 

Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

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