Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit oder nicht?

Kürzlich stellte jemand die folgende Frage an mich: „In vielen Ländern gibt es Meinungsfreiheit. Sollte es deshalb auch Meinungsfreiheit für Verschwörungstheoretiker geben?

Dazu hier meine Antwort.

Meinungsfreiheit gilt für alle!

Wenn ich eines in der Schweiz gelernt habe, ist es, dass man andere Meinungen „wertfrei“ anhören muss und sie ehrlich und ernsthaft überdenken sollte. Nur wenn man das macht, kann man auch selber zu einer echten, eigenen Meinung kommen und man kann dann auch seine Meinung revidieren, wenn die Argumente der anderen Seite vielleicht besser sind. Die Meinungsfreiheit bildet die Basis dazu. Ohne Meinungsfreiheit gibt es keine Demokratie.

Eine Meinung zu haben, ist ein fortlaufender Prozess. Man muss offen sein für andere Meinungen. Man kann nicht als achtzehnjähriger eine Meinung zu einem Thema festlegen und diese sein ganze Leben vor sich herum tragen.

Ich ändere meine Meinung zu vielen Themen fast täglich in irgend einer Weise. Sobald ich neue Informationen zu einem Thema bekomme, mit anderen darüber rede, bewerte ich die Lage neu. Der Diskurs, also die Diskussion und das darüber Nachdenken, um oder über ein Thema gehört ganz dringend zu einer Demokratie, egal wie extrem weit auseinander liegend manche Meinungen und Einstellungen sind. Nur durch „miteinander reden, diskutieren und offen nachdenken“ wird irgendwann ein „Konsens“ daraus. Ein Mensch, der ein guter Demokrat sein will, muss offen sein für andere Meinungen und die Revision seiner Meinung.

Verschwörungstheoretiker ist eine böswillige Wertung

In anderen Ländern, aber natürlich auch bei einigen in der Schweiz, werden andere Meinungen zu leichtfertig und zu schnell „gewertet“ und „abgestempelt“! In einer guten Demokratie muss man sich angewöhnen auch die extremsten anderen Meinungen „als Meinung“ zu akzeptieren und wenigstens im Ansatz auch darüber nachdenken. Wertungsbegriffe, die die Meinung anderer pauschal „werten“ sind dummer Stil bzw. sind sie vorsätzliche Handlungen um einen echten Diskurs zu verhindern. Dazu zähle ich auch solche Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“. Sie machen eine Diskussion unmöglich, weil sie den Gegenüber abstempeln, und schliessen somit den demokratischen Grundprozess aus. Diskussion kann nur auf Augenhöhe passieren. Wenn ich aber den Gegenüber diffamiere, in dem ich ihn abstemple, kann ich nicht erwarten, dass er noch mit mir auf Augenhöhe diskutiert. Den heute viel eingeforderten „Respekt“ eines „Anderen“ auf allen Ebenen, muss man eben auch dem „Anderen“ selber gegenüber an den Tag legen.

Witzig ist, dass der eingeforderte „Respekt“ heutiger Generationen nur als Metapher für ihren eigenen Egoismus gesehen wird, aber nie als Recht des „Anderen“. Deshalb haben wir auch heute wieder mehr Probleme mit Rassismus, Politik und Gewalt.

Freiheit und Respekt, die man einfordert, muss immer die Freiheit der anderen und der Respekt für die anderen sein! Wer das begreift und selber lebt, kann dann auch diese Werte einfordern. Vorher nicht!

Medienunternehmen, Journalisten, Politiker und User, denen das bewusst ist, setzen „wertende“ Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“ als Werkzeug ein um eine Diskussion über ein Thema zu ersticken und andere Menschen abzustempeln. Das ist höchstgradig gegen die Demokratie, Freiheit und jeglichen Respekt gerichtet und zeugt von Totalitarismus oder solchen Gedanken. Sie benutzen diese Begriffe um die Menschen in Lager zu teilen, und um sie weiter gegeneinander aufzuhetzen. Warum, weil sie dann ihre Sache machen können ohne im Rampenlicht zu stehen. Der Rest der Menschen beschäftigt sich ja gerade damit, sich in Lager zu teilen und die Köpfe einzuschlagen. Diese Vorgehensweise ist übrigens ein uraltes Mittel der Politik. Teile das Volk und Du kannst regieren – haben schon die alten Griechen und erstrecht die Römer gewusst.

Für Menschen mit einfacher Struktur, ist es so auch einfach Kästchen im Kopf zu bilden und diese als Meinung zu verwenden. Da braucht man nicht viel nachdenken, was ja für manche anstrengend ist. Man kann einfach seine 0815 Vorverurteilung aus der Schublade holen und ihm/ihr ein „du bist ja ein Verschwörungstheoretiker“ an den Kopf knallen. Dann hat man das Gefühl etwas gesagt zu haben ohne sich Gedanken machen zu müssen. Der lästige „Gegenüber“ wurde abgestraft und kann nichts mehr sagen. Das ändert aber gar nichts bzw. führt es nur zur Lagerbildung, aber nie zu Verständnis und Lösungen.

Meinungsfreiheit ist also etwas für jeden Menschen und erstrecht, wenn er von anderen als Verschwörungstheoretiker oder anders abgestempelt wird. Ich weiss garnicht, wie man solch eine Frage stellen kann. Das Wort „Meinungsfreiheit“ impliziert schon in sich selber, dass es für alle gelten muss! Und natürlich ganz besonders für den, der eine andere Meinung hat als ich.

In Deutschland wird die Meinungsfreiheit durch das Grundgesetz klar definiert. Daran kann es kein Rütteln geben. In anderen annähernd rechtsstaatlichen, „westlichen“ Ländern in ähnlichen Rechtsnormen.

Die Meinungsfreiheit ist ein Teil der Menschenrechte, die von vielen Staaten unterzeichnet und anerkannt wurden. Es herrscht also ein klarer Konsens über die Meinungsfreiheit.

Gut erklärt werden diese Zusammenhänge auch hier: Die Meinungsäusserungs- und Informationsfreiheit in Kürze – humanrights.ch

Die Meinungsfreiheit in Frage zu stellen ist wie die Demokratie in Frage zu stellen. Und natürlich beginnt so etwas mit einer Frage, wie dieser:

„Sollte es deshalb auch Meinungsfreiheit für Verschwörungstheoretiker geben?“

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