Inflation von Bildung, Zertifikaten, Diplomen und Abschlüssen verwässern das Wissen und Können

Die Politik des alles gleichmachen grassiert seit ein paar Jahrzehnten in der Welt. Das betrifft vor allem und ganz ausdrücklich die Bildung und akademische Abschlüsse. Schuld ist das niedrige Bildungsniveau in vielen Ländern und der Wunsch der Wirtschaft immer billigere Arbeitnehmer mit besserer Qualifikation einzustellen.

In den Schulen werden Lehrer und Verantwortliche daran gemessen, wie viele Abschlüsse erreicht werden, aber nicht wie hoch das Niveau der Ausbildung ist. Das setzt sich an Fachhochschulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen fort.

Bestimmte politische Parteien fördern ebenfalls die Inflation der Bildung um sagen zu können, sie hätten entsprechende Wählerschichten. Vorderhand erklären sie, sie möchten sozial schwachen Schichten gerechtere Arbeitsbedingungen und den Aufstieg in akademische Berufe schaffen.

Die Medien propagieren im Auftrag der Industrie zu allen Themen eine Gleichmacherei. Fachwissen zählt nur bei Journalisten etwas oder bei von ihnen anerkannten Koryphäen. Auf der Strasse werden beliebige Personen zu extrem komplexen Zusammenhängen befragt und deren Meinung so dargestellt, als sei sie fachlich qualifiziert.

Die Politik hat auf Druck von Ländern mit niedrigem Bildungsniveau ihre hochwertigen Abschlüsse auf ein viel niedrigeres Niveau herab gesetzt und die Abschlüsse aus den Ländern mit niedrigem Bildungsniveau anerkannt. Mit dem Ziel den Arbeitnehmern eine grössere Auswahl zu bieten bzw. der Industrie ein grösseres Potential an „Fachkräften“ zu verschaffen. Bekanntlich regelt Angebot und Nachfrage den Preis. Indirekt haben damit die Kultusminister bzw. ihre Chefs dafür gesorgt, dass heute akademische Bildung billiger zu bekommen ist als noch vor ein paar Jahren.

Diese Entwicklung hat exponentielle Züge angenommen, denn daraus ist eine Weiterbildungs – oder Bildungsindustrie hervor gegangen die jedem Beliebigen Zertifikate und Diplome light verspricht, die aber mit schwer erarbeiteten und inhaltlich vollwertigeren Studien und Diplomen konkurrieren.

Die Wirtschaft schreit nach Fachkräften und die Politik öffnet die Schleusen in dem sie die Schulabschlüsse, Studiengänge, Diplome und Studienabschlüsse verwässert. So kann heute jemand einen Studienabschluss als „Bachelor of Sience in Betriebsöknomie“ inkl. Diplom und Abschluss neben einer 80 % tigen Vollzeitstelle in nur 4 Jahren also 8 Semestern machen. Wie soll das gehen?

Zitat: „Zeitmodell: 1 ganzer Tag pro Woche oder zwei Abende pro Woche. Zusätzlich bis zu 6 Blocktage, i.d.R. am Samstag“.

Bei einem 80 % Job und 8 Stunden Arbeitszeit bleiben am Tag max. 1.6 Stunden für den Besuch von Seminaren und dem tatsächlichen Studieren. Bei einem echten Studium an einer Fachhochschule oder Universität mit ebenfalls 8 Semestern sind das rund 8 Stunden Seminarbesuche und weitere 2-4 Stunden am Tag Studieren. Also volle 12 Stunden intensives arbeiten. Wochenenden und Freizeit bei beiden ausgeklammert. Ein Missverhältnis von rund 10 Stunden am Tag.

Kein Mensch kann mir erzählen, dass heute ein Student in 20 % der Zeit den gleichen Stoff aufnehmen, verstehen und die Zusammenhänge bzw. Anwendung lernen und studieren kann als früher oder in heutigen echten Studiengängen. Das ist nicht möglich. Damit wird ein Studienabschluss und ein Diplom das auf „anständige“ Weise erworben wurde massiv geschmälert und wertlos gemacht. Natürlich kann in dieser Zeit auch kein umfangreiches Wissen zum Nutzen des Arbeitgebers angehäuft werden.

Liest man sich zusätzlich die Studienbeschreibung solcher Studiengänge durch, wird einem besonders übel. Da wird vielfach nicht handfestes Handwerkswissen und Basiskenntnisse vermittelt sondern modischer Schnickschnack bzw. Dinge die man nur ehrlich verstehen kann, wenn die Basis da ist – die man aber dort nicht lernt.

Ein Beispiel, die Beschreibung für „Bachelor Betriebsökonomie | Major General Management“ an der HWZ Zürich:

  • Managementthemen: Interkulturelles Management, Projektmanagement, Changemanagement, Karrieremanagement, Führungskonzepte
  • Marketing & Kommunikation
  • Due Diligence und Mergers & Acquisitions
  • Handel und Industrie
  • Digital Trends & Business Opportunities
  • Service Engineering

Hochtrabende Worte, die wenn sie mit Wissen gefüllt sind, eigene umfassende Studiengänge ausfüllen können. Bei der vorgegebenen Zeit und den flachen Beschreibungen muss man jedoch davon ausgehen, dass die Themen nur gestreift und nicht vertieft werden, was aber eigentlich die Basis von „Studieren“ ist. Da wird auch noch die Definition von „Studieren“ verballhornt.

Unter dem Strich kann man sagen, dass hier für rund 38’000 CHF ein Titel erkauft werden kann, der einen dann berechtig akademische Berufe auszuüben, für die andere Jahre in Vollzeit gebuckelt, gepaukt und echt studiert haben.

Na klar, kennen auch Personalchefs und Unternehmensinhaber diese Zusammenhänge. Dennoch ist es eine Verwässerung der Qualifikation, Wissen und Können. Ein Personalchef kann sich auch damit heraus reden, der eingestellte Kandidat habe ja die entsprechenden Qualifikationen vorgewiesen – das er jetzt versagt habe liegt an ihm. Man braucht sich also dann am Ende nicht wundern, wenn in der Wirtschaft immer mehr Fehler gemacht, Fehlentscheidungen getroffen und damit Arbeitsplätze vernichtet werden.

Und was ist am Ende? Wenn dieser Ausverkauf der Diplome und Abschlüsse zu Ende ist, was ist dann? Dann kann auch jemand ohne Schulabschluss alle Arbeiten machen, er braucht nur ein Stück Papier auf dem steht „Diplom“.

Ausbildung ist ein Teil der Infrastruktur eines Landes oder Gesellschaft. Schwächt man diese wird das Folgen auf den Wohlstand aller haben. Alle regen sich über Schlaglöcher in Strassen auf, die auch zur Infrastruktur gehören. Bei der Bildung schaut man weg. Vielleicht schon deshalb, weil die Verantwortlichen von heute die gleiche, schlechte Ausbildung durchlaufen haben?

Weitere Informationen: Rekord bei Studenten ohne Abitur

 

 

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