Fall Jacintha Saldanha – Mehr Kontrolle über die Medien gefordert

Der Fall Jacintha Saldanha schlägt weltweit hohe Wogen. Vor ein paar Wochen machte sich der australische Radio Sender 2Day FM einen üblen Scherz. Einen sogenannten „prank“ (Bubenstrich). Viele Medien nutzen solche billigen Methoden um auf Kosten anderer ihre Zuschauer- oder Zuhörerzahl zu erhöhen und mehr Geld einzunehmen. Bei MTV und VIVA werden diese „Pranks“ als Videos gezeigt.

Zu der Zeit war Prinzessin Kate in der King-Edward-VII-Klinik in London. Sie hatte über schwagerschaftsbedingte Übelkeit geklagt und war zur vorsorglichen Untersuchung für ein paar Tage in die Klinik gegangen.

Die beiden Radio Moderatoren Frau Mel Greig und Herr Michael Christian von 2Day FM, Sydney, Australien riefen per Telefon nun in der Klinik an. Es war ca. 04:00 Uhr Ortszeit am frühen Morgen in London. Sie gaben sich als Königin von England und Prinz Charles aus und baten darum über den Gesundheitszustand von Kate unterrichtet zu werden.

Das Gespräch nahm Frau Jacintha Saldanha an, die eigentlich Krankenschwester war und Nachtschicht hatte. Am Empfang der Klinik, der normalerweise solche Telefonate annimmt, war zu dieser Zeit kein Personal. Frau Jacintha Saldanha glaubte den Moderatoren und nahm an es wäre wirklich die Königin und der Prinz am Apparat. Deshalb stellte sie das Telefonat weiter an eine Kollegin durch, die genaueres wusste. Die Kollegin nahm das Gespräch an und glaubte nun auch dass es sich um die Königin und den Prinzen handelte, vermutlich, weil sie glaubte ihre Kollegin hat das vorher geprüft, und gab bereitwillig Auskunft.

Das Moderatoren-Paar aus Australien machte sich während und nach dem Anruf lustig über die ganze Situation. Nach dem Motto – wie dumm kann man sein, um so etwas zu glauben und dann noch Auskunft zu geben. Sie fragten alle möglichen Fragen und die Krankenschwester gab Auskunft, sogar zu Dingen die eigentlich nicht am Telefon genannt werden dürfen. Beide Krankenschwestern waren genötigt so zu handeln, denn man stelle sich vor, es wäre wirklich die Königin gewesen und sie hätten abgelehnt Fragen zu beantworten. Dann wären sie ihren Job mit Sicherheit los geworden.

Das ganze Gespräch, die Anmoderation und Abmoderation wurde aufgezeichnet und ohne Rücksprache und Genehmigung auf 2Day FM – Radio – in Australien gesendet. Das ganze Stück wurde auch auf der Homepage des Senders zum Anhören bereit gestellt. Viele tausende Menschen rund um die Welt haben es sich angehört und darüber gelacht. Die Meldung ging rund um die Erde.

Frau Jacintha Saldanha, lebte in London während ihrer Schichtdienste in einem Apartment für Krankenschwestern. Sie hatte zwei Kinder und einen Mann. Diese leben in Bristol und Frau Jacintha Saldanha fuhr immer am Wochenende dort hin zurück. Ihr Mann stand mit ihr immer wieder in telefonischem Kontakt. Nach diesem Vorfall konnte er sie jedoch nicht mehr erreichen. Nach ein paar Tagen fragte er bei der Klinikleitung an, was denn mit seiner Frau sei. Diese öffneten das Apartment und fanden die Frau dort tot auf.

Bis heute ist nicht geklärt, woran Frau Jacintha Saldanha gestorben ist. Jedoch gehen alle davon aus, dass sie Selbstmord begangen hat. Eine Obduktion ist angeordnet. Die Klinikleitung beteuert, dass es nach dem Bekanntwerden des „prank“ – Telefonanrufes keinerlei Ermahnungen an die Krankenschwester gegeben hätte – im Gegenteil sie hätten versucht die Frau vor den Medien zu schützen. Immerhin wäre sie von einer Minute auf die andere in die Weltöffentlichkeit gezogen worden. Sie hätten ihr keine Vorwürfe gemacht, aber die Mutter zweier Kinder hat sich wohl selbst genug eigene Vorwürfe gemacht.

Beide Frauen waren zu tiefst bestürzt darüber, das jemand mit ihnen einen solchen Streich machen konnte. Vermutlich haben sich beiden Frauen aber selber Vorwürfe gemacht, das sie versagt haben und nun mit Konsequenzen rechnen mussten. Zudem wurden sie, aber auch ihre Familie, Freunde und Bekannte von einer Minute auf die andere in die Weltöffentlichkeit gezogen. Nachbarn wurden befragt, Kollegen zitiert und die Kinder interviewt. Wie müssen sich diese beiden Frauen wohl gefühlt haben, als ihre kleine, überschaubare Welt auf einmal vor die ganze Welt gezerrt wurde?

Frau Jacintha Saldanha stammt aus einem kleine Dorf aus Indien und hat es über Umwegen mit ihrem Mann nach England geschafft und dort ein kleines Leben aufgebaut. Durch diesen Telefonscherz wurde ihr Leben auf den Schlag geändert. Ohne das sie das wollte oder es hätte ändern oder rückgängig machen können.

Die Aufregung um diesen Fall ist weltweit sehr gross. Viele Menschen sind entzürnt, dass die Moderatoren sich hätten denken könne, was es für Auswirkungen auf einen einfachen Menschen haben kann, der sonst mit der Öffentlichkeit nichts zu tun hat. Andere wollen nicht wahr haben, das es Menschen mit Selbstzweifeln gibt, die so schlimm sein können, das man sich das Leben nimmt.

Der Sender und die Moderatoren behaupten, sie hätten fünf mal versucht von der Klinikleitung eine Genehmigung zur Ausstrahlung des Materials zu bekommen. Es hätte aber niemand geantwortet, deshalb hätte man sich entschieden das Material inkl. Namen zu veröffentlichen.

Auf verschiedenen Web-Portalen gibt es Aufrufe eine Petition zur Schliessung des Radiosenders zu erwirken. Auf change.org wurden bisher bereits über 5’000 Unterschriften nur in einer Kampagnen gesammelt. In vielen andere Petitionen gibt es noch viele andere Unterzeichner. In einer älteren Petition gegen den Sender gibt es bereits 50’000 Unterschriften. Es wird auch ein lebenslanges Berufsverbot für die Moderatoren gefordert. Noch dazu, da der Sender bereits in der Vergangenheit durch unglaubliche Ereignisse aufgefallen ist.

So hatte ein Moderator, zum Beispiel, eine 14-jährige vor offenem Mikrofon genötigt eine Vergewaltigung an ihr zuzugeben und Details über die Sexualpraktiken zu erzählen. Ein anderes mal, hatte ein Moderator eine Journalistin vor offenem Mikrofon mit unglaublichen Äusserungen beleidigt, ja sogar mit Ermordung gedroht, weil sie die Sendung kritisiert hatte. Zitate: „Sie solle verrecken – wenn sie es nicht selber tut würde er es machen, hätte zu kleine Brüste, dumm im Kopf, etc.“.

Die beiden Moderatoren befinden sich zur Zeit an einem geheimen Ort und werden seelisch und psychologisch betreut. Sie machen sich selbst grosse Vorwürfe und bereuen ihre Tat.

Es muss nun erst einmal geklärt werden, ob der Sender gegen geltendes Recht verstossen hat. Dabei gilt natürlich australisches Recht. Der Konzern, zu dem der Sender gehört, hat bereits angekündigt, dass sie nicht glauben gegen irgendwelche Rechte verstossen zu haben. Das heizt den Streit England vs. Australien, zu dem das langsam ausartet, noch mehr an.

Es ist jetzt folgendes zu klären:

  • Wurde die Klinik vor Veröffentlichung um Erlaubnis gebeten?
  • Wurde Frau Jacintha Saldanha und ihre Kollegin vor Veröffentlichung um Erlaubnis gebeten?
  • Verstösst die unerlaubte Veröffentlichung gegen Persönlichkeitsrechte?
  • Verstösst die unerlaubte Veröffentlichung gegen Datenschutzrechte?

Viele Menschen rund um den Erdball haben diese Art der Medien satt und fordern strikte Regeln zur Einhaltung von Persönlichkeitsrechten. Menschen, die in solchen „Pranks“ vorkommen, müssen ihre Zustimmung zur Veröffentlichung ihres Namens und des Materials abgeben – fordern nun viele. Vorher darf das Material und der Name nicht verwendet werden. Im Fall des Missbrauchs müssen hohe Schadenersatz – Zahlungen für die Sender anfallen, sonst werden diese Regeln nicht eingehalten. Ich – persönlich – würde dem Ehemann von Frau Jacintha Saldanha empfehlen mit einer Klage in die USA zu gehen, dort bekommt er die grössten Summen für Schadensersatz. Der Konzern in Australien wird sich dann schon schwer überlegen ob er diese dann zahlt oder nicht. Sind doch viele Werbekunden des Konzerns mit den USA verbunden.

Grundsätzlich und vor allem muss man sich aber die Frage stellen, was für Moderatoren die Medien einstellen? Welchen Charakter haben solche Menschen und in wie weit sind wir Zuhörer noch bereit das alles mit uns machen zu lassen. Für die Medien gibt es in modernen Demokratien kein Regulativ – man erwartet eine Selbstkontrolle. Nur wenn diese versagt – und das erleben wir zunehmend – muss es eine stärkere Kontrolle dieser Systeme geben.

Wenn man sich vorstellt, wie andere Branchen genauestens auf Einhaltung von Regeln und Vorschriften hin kontrolliert werden, dann ist die für Medien einfach und immer mehr zu lax.

Allgemein wird die Politik aufgefordert genaue und strikte Gesetze zu schaffen, damit Menschen die nichts mit den Medien zu tun haben wollen, in jedem Fall schadlos gehalten werden.

Ergänzung vom 12.12.12

Die britische Presse berichte, dass sich Frau Jacintha Saldanha aufgehängt hat. Das sie noch am Leben war als man sie fand – sie aber nicht mehr retten konnte. Die Art wie sie das gemacht hat, lässt darauf schliessen, das sie eine ernste Absicht hatte sich zu töten. Und es muss ein Verzweiflungsschritt gewesen sein.

Die beiden „Journalisten“ des Radio-Senders „2Day FM“ haben sich nachweislich in den letzten Tagen bewusst „dumm“ gestellt. Der „The Daily Advertiser“ berichtet heute, dass in dem Sender alle sechs Monate Schulungen von einer Rechtsbetreuerin auch in Bezug auf „prank-calls“ durchgeführt werden. Neuzugänge müssen diese Schulung machen bevor sie vor das Mikrofon kommen. Sogar temporäre Ferienaushilfen müssen diese Schulungen mit machen, sagt Tania Petsinis – Rechtsbetreuerin bei  „2Day FM“.

The training sessions, run by 2Day FM’s in-house lawyer Tania Petsinis, include the specific instruction „not to air prank calls unless they get the subject’s permission … if there is doubt about a prank call, there is a clear chain of command in management that we have to escalate the call through“.

Dabei werden klare Prozessketten besprochen, wie eine Genehmigung für die Ausstrahlung des Materials bzw. die Durchführung solcher „prank-calls“ einzuholen ist. Es wird vom Sender aber auch anderen Institutionen vorgeschrieben eine Genehmigung einzuholen und zwar von allen betroffenen Beteiligten. Die Moderatoren hatten sich in den letzten Tagen dumm gestellt und so getan als wären sie nie geschult worden und hätten keine Ahnung gehabt, das sie sich eine Genehmigung für die Ausstrahlung des „prank-calls“ hätten einholen müssen. Das wirft ein weiteres schlechtes Licht auf die beiden Moderatoren. Gleichzeitig wird aber diskutiert wie die Vorgesetzten sich verhalten haben. Teilweise ist eben nicht klar ob sie den Moderatoren einfach pauschal freie Bahn für solche Aktionen gegeben haben. Antworten von den Vorgesetzten gegenüber der Presse stehen noch aus.

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