eMail Tracing – über welche eMail-Server wird meine eMail geleitet

An der ganzen Diskussion über den Abhörskandal der NSA und GCHQ merkt man, wie ungebildet die meisten bezüglich des Internet sind. Alle benutzen es, aber keiner weiss was er da eigentlich macht und welchen Gefahren er sich aussetzt. Erschreckend ist das in Bezug auf Politiker und Regierungsbeamte. Da das Wissen für Zusammenhänge unerlässlich ist.

Ein Erklärungsversuch anhand des eMail-Verkehrs

Das Internet ist eine lose Verknüpfung von elektrischen Datenleitungen. Seine Logik und Flexibilität bekommt es durch die IP-Adressen. IP-Adressen sind wie Hausnummern für physische Server.

Über dieses IP-Netz, das sozusagen die Schienen des Systems darstellt, werden verschiedene Dienste transportiert. Webseitendaten, Dateiübertragungen oder Videomaterial. Es gibt eine ziemlich grosse Zahl an Diensten die darauf transportiert werden. Auch die eMail Dienste werden darüber übertragen. Man kann es sich wie einen Wasserschlauch vorstellen, der einmal grüne Flüssigkeit, einmal Oel und einmal Wasser durch leitet. An verschiedenen Stellen befinden sich Weichen und Ventile an denen die Datenpakete eine andere Route wählen können oder zugewiesen bekommen. Den Weg dorthin zeigt ihnen das sogenannte DNS-System (Domain Name System). DNS-Server halten eine Art Telefonbuch für Server und Dienste bereit.

Wenn man also jemandem eine Email sendet, sucht der Mail-Server über den man die eMail versendet die richtige Empfänger – Adresse aus dem DNS-Server. Dieser Eintrag ist mit einer IP-Adresse, also einer physischen Server verknüpft. Der Mail-Server nimmt über die IP-Adresse mit dem Empfänger Mail-Server Kontakt auf und versucht die eMail direkt an den Server zu übertragen.

Dabei kann es aber sein, dass die IP-Adresse im DNS-Server einen anderen Mail-Server angibt, nicht den Ziel-Server. Viele Mail-Server bieten das Routing (weiterleiten) von anderen Mails an ihre Ziel-Server an. Je nach dem also, welcher Adressbucheintrag in dem DNS – Server angegeben wird, wird die eMail physisch an einen entsprechenden Server weitergeleitet, der dann wieder die eMail an einen anderen Mail-Server weiter leitet, bis die eMail bei dem Ziel-Server angekommen ist. Die Anweisung dazu gibt der DNS-Server. Es ist bekannt, dass das DNS-System veraltet und fragwürdig auf Manipulation ist.

Die Oberaufsicht über die DNS – Server auf der ganzen Welt haben Behörden in den USA. Sie bestimmen, wie der Datenverkehr über die Netze verläuft in dem sie die Adressbucheinträge vorgeben.

Europäische eMails werden zum grössten Teil über US-Knotenpunkte geroutet

Die meisten eMails die auf der Welt geschrieben und versendet werden, werden über Mail-Server in den USA geleitet. Auch wenn man eine eMail von Augsburg nach München sendet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass diese eMail über Server in den USA geleitet wird. Das hatte am Anfang des Internet ganz andere Gründe. Heute ist aber mit Sicherheit der Hauptgrund der, dass die USA alle eMails die über ihre Systeme laufen legal abhören und analysieren können. Sie verwenden das DNS-System um die meisten Datenströme über ihre Server laufen zu lassen. Dann haben sie legal das Recht die Daten abzuhören und zu analysieren.

Mit Tracing – Software kann man den Transportweg darstellen

Es gibt für die verschiedenen Dienste, welche über das Internet laufen, sogenannte Tracing – Programme. Mit ihnen kann man den Weg der Datenpakete über die Netzwerke der Welt verfolgen. Auch den von eMails. Ein solches Programm heisst „eMailTrackerPro“.

eMailTrackerPro

Auf einer Landkarte kann man dann den Weg seiner eMail verfolgen. In den meisten Fällen geht der Weg über einen Server in Kalifornien in den USA.

Webseitendaten, Videodaten, Videokonferenzen, Internet-Telefonie werden auch so geroutet

Natürlich wird das genau so mit allen anderen Daten die über das Internet übertragen werden so gemacht. Egal ob Sie eine Webseite aufrufen, Videodaten übertragen, eine Videokonferenz führen oder über das Internet telefonieren. Die meisten Datenpakete werden durch das DNS-System über Server in den USA geleitet. Das kann man anhand von Tracing Programmen genau sehen. Damit ist es den US-Behörden auch ganz legal erlaubt diese Daten zu analysieren, kopieren und abzuhören. Diese Dinge sind seit den 1990er Jahren bereits bekannt. Jeder der sich ein bisschen tiefer mit dem Internet beschäftigt hat, weiss das. Wenn die Datenströme von den US-Behörden aufgrund von Kapazitäten nicht erfasst werden konnten, wurden die Daten auch schon über Israel, UK, Australien oder Neuseeland geroutet. Im Grund können damit diese Länder alle über das Internet übertragenen Daten erfassen und auswerten. Die Absender und Empfänger merken davon nichts, obwohl die Verzögerung von eMails heute bereits eine wahnsinnige Dimension angenommen hat. Zum Anfang des Internet, war eine eMail rund um die Erde innerhalb von Millisekunden am Zielort. Heute kann man schon Minuten, ja manchmal Tage warten. Das hängt eben auch mit diesen Praktiken zusammen.

Es ist müssig zu behaupten, die US-Behörden hätten nur Zugriff auf 0.01% des Datenaufkommens weltweit

In Wirklichkeit haben die USA zusammen mit ihren Verbündeten UK, IS, NZ, CA, und AU eine flächendeckende Datenüberwachungsanlage aller Daten auf der Welt aufgebaut. Übrigens natürlich auch ihrer eigenen Leute. Denn man braucht den Datenverkehr in den USA ja nur über ausländische Server laufen lassen, dann können die Behörden die Gesetze im Land umgehen und auch dies Daten analysieren. Die Möglichkeit dazu haben sie. Und wir wissen, was der Mensch kann, das wird er auch tun.

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